Im Zuge meiner Arbeit musste ich vergangene Woche über den Begriff “Beta-Version” nachdenken.
Und wieder einmal wurde mir bewusst, das man Begriffe für Marketingziele doch manchmal anders benutzt, als der eigentliche Sinn vermuten lässt.
An meinem Gedankengang möchte ich euch jetzt teilhaben, eine rege Diskussion zu diesem Thema würde ich sehr begrüßen.
Um in das Thema einzusteigen, muss man erst einmal schauen, wie der Begriff traditionell definiert wird. Als Quelle nenne ich hier einmal wikipedia. Dort heißt es zunächst:
Eine Beta-Version ist eine unfertige Version eines Computerprogramms.
Häufig sind Beta-Versionen die ersten Versionen eines Programms, die vom Hersteller zu Testzwecken veröffentlicht werden.
Der Begriff ist nicht exakt definiert, als Faustregel zur Abgrenzung einer Beta-Version von anderen Versionen gilt in der Regel, dass zwar alle wesentlichen Funktionen des Programms implementiert, aber noch nicht vollständig getestet sind und das Programm daher vermutlich noch Fehler enthält.
Und weiter (für Perpetual Beta):
Ein Begriff, der beschreibt, dass sich in Bezug auf die ständige Entwicklung des Internets auch Websites und Software kontinuierlich weiterentwickeln und somit nie wirklich fertig sind. Somit ist ein immerwährender Entwicklungszustand eingetreten, die “Perpetual Beta”. Entstanden als Schlagwort innerhalb des Web-2.0-Konzeptes, das dem Extreme-Programming-Konzept der “Continuous Integration” Rechnung trägt.
Ich halte zunächst einmal fest: Eine Beta ist eine unfertige Programmversion, dessen Erweiterung eine sich ständig weiterentwickelnde und daher nie fertige Version einer Software ist.
Letzterem kann ich selbst unter Betrachtung des für mein Verständnis vollkommen falsch verstandenen Begriffs “Web 2.0″ noch zustimmen: Zieht man unter Betrachtung des Usergenerated Contents auch die ständige Funktionserweiterung in einem sich ständig weiterentwickelnden Internet hinzu, kann man durchaus sagen, dass sog. “social platforms” in einem dauerhaften Beta-Status sind.
Soweit gut. Dass man neben “Web 2.0″ auch noch einige andere coole Begriffe für das “neue” Internet braucht, leuchtet mir auch noch etwas ein (aber seien wir ehrlich: Jedes Forum war vor 5 Jahren auch schon ständigen Funktionserweiterungen und Umbauten unterworfen, jede soziale Plattform, bzw. Community war das auch).
Doch hat der Begriff “Beta” in meinen Augen eine erweiterte Aufgabe erhalten: Schaut man sich den Markt an sozialen Plattformen aller Arten an, so fällt auf, dass ein großer Teil dieser Plattformen immer noch den Begriff “Beta” im Namen trägt. Wer’s nicht glaubt, schaut sich einmal die Logo-Sammlung von Dr. Web an (auch wenn die schon zwei Jahre alt ist, hat sich am Zustand wenig geändert) oder das hier.
Ich bin der Überzeugung, dass man die Bezeichnung Beta im Logo, bzw. im Namen der Plattform nicht nur deshalb aufgenommen, weil es den aktuellen Entwicklungsstand der Software anzeigen soll. Nein, ich glaube, dass man sich damit auch den Reiz des viralen Marketings zu Eigen machen will.
Denn wenn wir ehrlich sind: Wenn man sich irgendwo anmelden darf (am besten nur per Einladung) und den Eindruck erhält, dass man nun zu einer exklusiven Gruppe von Testern gehören darf, dann ist der Reiz zur Anmeldung gleich ein viel höherer.
Soll heißen: Ich starte eine soziale Plattform, die ganz sicher nicht mehr einzigartig ist. Ich gebe der Plattform den Zusatz “Beta” im Logo und beschränke den Zugriff auf Personen, die eine Einladung zu diesem Beta-Test von einem Freund erhalten haben.
Gleich hat die Plattform den Anstrich einer exklusiven Gemeinschaft von Eingeweihten, an deren Entwicklung jeder partizipieren möchte.
Anders kann ich mir nicht erklären, warum eine Webseite “Beta” sein muss: Eine Anmeldung geschieht eh auf eigene Haftung des Benutzers, durch den Zusatz gibt es keine zusätzliche rechtliche Absicherung und die meisten Plattformen bewegen sich eh auf Ewig in einem Status ständiger Veränderungen (dabei nehme ich Bezug auf den bereits zitierten Wortlaut zur “Perpetual Beta” aus Wikipedia).
Ich also glaube, dass der Begriff “Beta” in den allermeisten Fällen nur deshalb benutzt wird, um den Eindruck einer echten “Web 2.0″-Plattform zu verstärken und sich so die wohl beste Marketingform überhaupt zu Eigen zu machen: Virales Marketing. Denn jeder weiß, virales Marketing ist das effektivste überhaupt und wenn das dann noch kostenlos ist, dürften keine Wünsche mehr offen sein.
Und jetzt seid ihr gefragt: Sehe ich das zu eng? Bin ich auf einer ganz falschen Fährte? Oder habe ich etwa uneingeschränkt Recht?
Sagt mir eure Meinung!