Betrug mit Votes und Diggs

Geschrieben am 23.08.2007 in Internet | 5 Kommentar

Vor garnicht langer Zeit habe ich darüber berichtet, dass Digg.com mit einer neuen Funktion versucht, den aufkeimenden Betrug mit Diggs in den Griff zu bekommen.
Heute bin ich auf datenschmutz.net auf einen Beitrag gestoßen, in dem um es genau das gleiche Thema geht:
Artikelpushen durch gekaufte Votes bei Digg und Stumbleupon.

Doch so bejubeln wie dort kann ich den vorgestellten Anbieter nicht:
Subvert and Profit vermittelt gekaufte Votes von Advertisern an gewillte User und kassiert pro Vote 1,- US-$, man nennt das ganze (von mir zusammengefasst) die sinnvollste Art des Marketings in Zeiten des Web 2.0:

We are simultaneously the easiest way to make money online and the cheapest form of advertising in the web 2.0 sphere.

Der Anbieter hat damit den Begriff Web 2.0 (der mir noch nie gefallen hat) aber schlichtweg ad absurdum geführt:
Lebt nicht gerade der Begriff Web 2.0 davon, dass er die Interaktivität der User voraussetzt und eigentlich nur dann anwendbar ist, wenn es um User-generated Content geht?! Ich meine ja!
Was hat es dann noch mit Web 2.0 zutun, wenn man bei Digg und Konsorten Votes kauft um die Artikel zu pushen?! Das war’s ja dann mit dem User-generated Content, weil die Bewertungen schlichtweg nichts mehr über die Qualität eines Artikels und die dadurch hervorgerufene Resonanz aussagen.

Durch diesen Anbieter ist es offenbar möglich, dass “gekaufte Beiträge” für ca. 75 bis 100,- US-$ auf der Startseite von digg.com zu finden sind.
Das bringt demjenigen, der Votes kauft sicherlich viele neue Besucher, aber auch er hat dann Sinn und Zweck des Web 2.0 nicht wirklich verstanden…

Wie war es noch gleich?! Richtig: Geld verdirbt Moral und Charakter.
Und wenn selbst Blogger (oder Menschen, die sich selbst so nennen) bei so etwas mitmachen, dann fehlen mir schlichtweg die Worte.

5 Kommentare zu "Betrug mit Votes und Diggs"

ritchie

Ach, ist doch schön, so hat eben jeder seine Präferenzen… wer Medien Unmanipulierbarkeit unterstellt und auf Moral und Anstand hofft, wer denke, dass das sogenannte Web 2.0 nicht in großem Umfang manipuliert wird, den oder die halte ich für blauäugig und naiv. Die Idee von S+V gefällt mir sehr gut, die Ausführung weniger, wie ich gestern geschrieben hab:
http://blog.datenschmutz.net/2007-08/subvertandprofit-gute-idee-schwach-umgesetzt/

Aber so ganz unkommentiert mag ich dein beleidigendens Geschreibsel dann doch nicht stehen lassen:

Das bringt demjenigen, der Votes kauft sicherlich viele neue Besucher, aber auch er hat dann Sinn und Zweck des Web 2.0 nicht wirklich verstanden!

Ich würd meinen: er hat’s verstanden. Der einzig angebrachte Zugang gegenüber Medien ist Misstrauen. Use your own brain. Trau keinem dahergelaufenen Blogger und schon gar keine SM-Plattform. (cool, ist mir auch grad erst aufgefallen, dass sich social media genauso wie sado maso abkürzt)

Wie war es noch gleich?! Richtig: Geld verdirbt Moral und Charakter.
Und wenn selbst Blogger (oder Menschen, die sich selbst so nennen) bei so etwas mitmachen, dann fehlen mir schlichtweg die Worte.

Na, dann hast du wohl reicht geerbt oder so. Ich gehör zum arbeitenden Teil der Bevölkerung und bin durchwegs gezwungen, Geld zu verdienen. So wie die meisten meiner Mitmenschen – also gibt’s nur wenige Reiche wie dich, die die moralischen Standards hochhalten. Gott sei dank.

Natürlich mache ich bei s&p mit, genaugenommen bin ich selber grad dabei… aber egal, das ist eine andere Geschichte. Ein Blog ist eine Publikationsform, keine moralische Haltung. Check doch mal:
http://jeanlafitte.biz

petra

und seit wann sind medien bitteschön eine moralische instanz? und deine aussage, dass geld die moral und den charakter verdirbt find ich persönlich sehr pauschal und unverschämt, und stellt keinesfalls eine objektive Meinung dar! lg petra

admin

Nun möchte ich natürlich auch selbst noch einmal Stellung zu diesen Kommentaren nehmen! :)

@ ritchie:
Der Beitrag sollte keinesfalls dich beleidigen, verstehe mich da bitte nicht falsch!
Ich wollte lediglich zum Ausdruck bringen, dass ich das vorgestellte Konzept – im Gegensatz zu dir eben – nicht gutheißen kann.

Und ich stimme dir vollkommen zu, dass man sichergehen kann, dass auch im sog. Web 2.0 längst nicht alles mit rechten Dingen zugeht.
Aber Fakt ist doch, dass der Begriff Web 2.0 eine Idee beschreibt, bei der Content vom User kommt und vom User bewertet wird. Ohne Instanz.
Und vergibt man Geld dafür, dass einzelne Beiträge positiv bewertet werden, so führt genau das den Begriff doch ad absurdum.

Und noch etwas zu deiner Aussage über die von dir vermutete Finanzstärke meiner Person (die ich im Übrigen als beleidigend erachte): Es ist längst nicht so, wie du dir das vorstellst.
Auch ich (als ehemaliger Schüler und Bald-Student) muss Geld verdienen; Sonst wäre hier wohl auch keine Werbung zu finden.
Aber die Art des Geld-Machens bei S&P halte ich persönlich doch für sehr seltsam.

@ petra:
Ob und inwiefern Medien generell eine moralische Instanz darstellen vermag ich nicht zu beantworten, aber dieses Problem wollte ich in diesem Beitrag auch garnicht anschneiden.
Und dass Geld Moral und Charakter verdirbt, glaube ich sehr wohl. Aber genau weil ich das glaube, ist das eben keine – da hast du vollkommen Recht – objektive Meinung.
Ich würde mir auch niemals anmaßen zu sagen, dass es irgendeinen Blog in den Weiten des WWW gibt, der lediglich objektive Meinung publiziert. Das liegt schon in der Natur der Sache! ;)

Aber trotzdem freue ich mich, dass wir uns über das Problem von erkauften Bewertungen streiten können!
Es wäre ja zu einfach, wenn jeder meine Meinung teilt! :)

ritchie

Aber Fakt ist doch, dass der Begriff Web 2.0 eine Idee beschreibt, bei der Content vom User kommt und vom User bewertet wird. Ohne Instanz.
Und vergibt man Geld dafür, dass einzelne Beiträge positiv bewertet werden, so führt genau das den Begriff doch ad absurdum.

Das ist das grundlegende Missverständnis, dass es keine Instanzen gäbe. Davon haben die Netzvisionäre 94 geträumt, die “Instanzen” sind mittlerweile die Rechercheure und Aggregatoren. Ich halte es für absurd, wenn User Corporate Gewinnstreben mit Mission verwechseln. Wie kannst du ernsthaft annehmen, dass Digg “den Usern gehört”? Alle, die ihre News reinstellen, hoffen auf Publicity, und Digg casht fett ab. Das ist die andere Seite des Longtails – und solche Aktionen wie s&v sensibilisieren genau dafür, und das halte ich für sehr, sehr gut.

Es gibt nun mal keine demokratische Mediennutzung ohne demokratische Kontrolle über die Infrastruktur…

admin

Zum Teil gebe ich dir wieder Recht:
Natürlich strebe auch ich höhere Besucherzahlen an, wenn ich meine Beiträge auf yigg, digg oder wie sie sonst heißen mögen veröffentliche, garkeine Frage.
Und natürlich stimmt es auch, dass es naiv wäre zu denken, dass jemand eine Internet-Plattform ganz ohne Gewinnstreben einrichten würde – zu verschenken hat niemand etwas und im Internet lässt sich ohne Frage viel Geld machen.

Aber dennoch bleibe ich dabei: Das gedankliche Konstrukt Web 2.0 (das ich im Übrigen nicht besonders mag) legt den Fokus auf User-generated Content.
Und auch wenn der von den Betreibern einer Plattform moderiert, kontrolliert und kanalisiert wird, so halte ich es für fragwürdig, wenn zum einen der Betreiber eines Bezahldienstes für Votes damit wirbt, dass dies die beste Anzeigenform in Zeiten des Web 2.0 sei und zum anderen auch die Teilnehmer solcher Angebote das Konzept einer Plattform wie digg mit ihren Zwangsvotes ad absurdum führen.

Deine Meinung: