Vor gut einer Woche erreichte mich eine Mail, die ich zunächst als Spam abtun wollte: Da wurde ich gefragt, ob ich nicht über ein Produkt bloggen wollte, um dafür ein kleines Präsent zu erhalten. Da die Mail aber eine vertrauenswürdige Signatur enthielt, habe ich drei Google-Suchen später geantwortet und um Infos gebeten. Viele Mails weiter hatte ich dann die benötigten Infos und wusste, dass es um Lifejack.de geht und ja: Ich wollte dann auch. Denn streng genommen war das Angebot auch nichts anderes als eine bezahlte Rezension.
Ich werde daher nun das Portal Lifejack.de unter die Lupe nehmen und dabei auf folgende Aspekte eingehen:
Ich bitte dabei um Verständnis, dass ich letzteres deutlich stärker beurteilen werde, da ich selbst keine Lebensversicherung habe und daher auf finanzielle Aspekte nicht eingehen und die Problematik vom Lebensversicherungs-Rückkauf nur sporadisch bewerten kann.
Wer zum ersten Mal Lifejack.de aufruft, der wird lesen: “Der freie Marktplatz für handelbare Lebensversicherungen”.
Soll heißen: Ähnlich einer Auktionsplattform kann man auf Lifejack handeln. Nur eben nicht mit allen möglichen Sachen, sondern mit lediglich (Lebens-)Versicherungen.
Ca. jede zweite Lebensversicherung in Deutschland wird wieder abgestoßen. Problem an der Geschichte ist jedoch, dass bei vorzeitiger Aufgabe der Versicherung hohe Stornogebühren bei der Versicherungsanstalt anfallen. Hat man also beispielsweise schon 100.000 EUR eingezahlt, erhält man nur 75.000 EUR als Rückkaufswert. Bedeutet einen Verlust von 25.000 EUR (die Zahlen sind frei aus der Luft gegriffen!), nur um eine Lebensversicherung wieder loszuwerden.
Was aber 80% aller Bundesbürger nicht wissen: Handelbare Policen müssen nicht zwangsläufig an die Versicherung zurückgegeben werden, sondern können auch frei verkauft werden.
Genau hier setzt Lifejack an: Auf dem Marktplatz können handelbare Policen veräußert und gekauft werden, für den Verkäufer liegt der erzielte Preis oftmals über dem eigentlich Rückkaufswert der Versicherung. Lifejack selbst stellt dabei nur die Plattform zur Verfügung und hat keine eigenen Kaufabsichten.
Für mich ist an dieser Stelle aber viel interessanter, wie die Plattform gestaltet wurde.
Und der erste Blick war erschrecken: Schwarz! Dazwischen dann ein wenig weiß, grün und grau. Kurzum: Die Farbkombination, die ich niemals wählen würde.
Zwar (und das wissen diejenigen, die nicht zum ersten Mal diesen Blog lesen) ist das Wort “Web 2.0″ für mich beinahe bedeutungslos, aber die Entwicklungen in letzter Zeit haben einiges gezeigt: Heute soll man hell und freundlich, einigermaßen einfach und simpel sein. Warum man bei Lifejack dann noch auf eine so schlechte Farbkombination zurückgreift, ist mir vollkommen unverständlich!
Jeder weiß, dass die ersten wenigen Sekunden darüber entscheiden, ob ein Besucher auf der Seite bleibt und sich ggf. auch durch das Angebot klickt. Schwarz ist dabei für mich eine Farbe, die mich normalerweise wieder nach spätestens 3 Sekunden verschwinden lässt. Ich möchte nicht behaupten, dass alle Internetnutzer so sind, wie ich. Aber allein bin ich mit dieser Meinung ganz sicher nicht.
Ein weiterer Punkt in Sachen Usability: Barrierefreiheit sollte jedem Webdesigner ein Begriff sein. Lifejack zeigt hier aber eindringlich, was Barrierefreiheit ganz sicher nicht bedeutet. Wie es mit dem Kontrast (für Sehbehinderte ist), kann ich nicht beurteilen. Aber auch mir ist des einen oder anderen Mal eine Schrift zu klein. Was passiert, wenn ich dann die Tastenkombination “Apfel+” drücke, das zeigt der Screenshot: Die Schrift ist über das Design hinaus “gewachsen”, die Navigation passt nur noch ungefähr, mehrere Texte überdecken sich gegenseitig. Worst case! So etwas darf nicht passieren. Selbst in meinem kleinen, bescheidenen Blog macht nur die Navigation ein paar Probleme in dieser Hinsicht. Bei einem Marktplatz, über den im besten Falle jährlich Millionen gehandelt werden könnten, darf das einfach nicht passieren!
Weiter geht es mit einer generellen Problem: Ich bin ein Freund von “Vorschauen”: Wenn eine Seite oder ein Unternehmen schon meine Daten haben möchte, dann möchte ich wenigstens vorher sehen, ob mich das Angebot auch tatsächlich interessiert! Ich möchte vorher wissen, ob der Umfang der Verkäufe schon groß ist, ich möchte vorher wissen, wie genau das im Marktplatz abläuft. Und wenn ich mich selbst für die “Guided Tour” erst registrieren muss, dann habe ich so gut wie kein Interesse mehr an dem Produkt. Und auch in diesem Punkt behaupte ich nun einfach mal, dass andere Internetnutzer dabei ähnlich verfahren, wie ich.
Nächstes Problem: Bei der Anmeldung werde ich aufgefordert, den Marketing-Richtlinien zuzustimmen. Das ist zwar kein Pflichtfeld, aber die Richtlinien stören mich dennoch. Wenn ich sie nämlich akzeptiere (und jeder weiß, wie nachlässig viele Internetnutzer beim Lesen von Richtlinien und Geschäftsbedingungen sind), dann werde ich schlimmsten Falls mit personalisierter Werbung bombardiert. Die Abmeldung von dieser Werbung kann dann nur online im eigenen Account oder über eine kostenpflichtige Hotline gemacht werden.
Das geht garnicht! Lifejack will mit mir als Kunde doch Geld verdienen. Warum also soll ich dann zustimmen, von Werbung belästigt zu werden. Würde man diese Passage einfach streichen, würde auch mich die Anmeldung vielleicht noch ein wenig interessieren.
Ein durchaus interessantes Feature ist – wenn man wirklich eine eigene Police handeln möchte – der Renditerechner. Mit wenigen Eingaben kann man hier den tatsächlichen Wert einer Lebensversicherung ermitteln und ggf. direkt zum Verkauf anbieten.
Ein Verkauf/Kauf wird von Lifejack übrigens nur mit einer Gebühr von 1% belegt. Das scheint unter dem marktüblichen Satz zu liegen.
Wer Lebensversicherungen handeln möchte, der sollte sich Lifejack anschauen: Extrem flexilbel, sehr günstig und durchaus sicher, das verspricht Lifejack zu sein. Die Idee eines Marktplatzes für Lebensversicherung ist spannend und interessant zugleich und verspricht großes Potential.
Für mich hapert es aber noch gewaltig an der Umsetzung: Design ist zwar immer von persönlichen Präferenzen abhängig, aber grobe Schnitzer sollte man sich nicht leisten. Wenn man bei Lifejack in diesem Bereich noch nachbessert, dann ist das Portal durchaus einen Klick wert!
Über eine angeregte Diskussion in den Kommentaren würde ich mich freuen!
Hab ich auch schon von gehört. Ich persönlich kann da nichts mit anfangen, da keine LV, allerdings würde ich so ein Angebot vielleicht wahrnehmen, wenn ich kurzfristig Geld bräuchte.
btw. Das kleine Präsent ist nicht zufällig ein iPod shuffle?
Zum Präsent: Fast richtig, stand zur Auswahl, allerdings habe ich mir etwas anderes aussuchen dürfen.
Wurdest du auch gefragt, oder wie?
[...] Siegel nicht viel ändert zeigen Blogs, die ähnlicher Meinung sind wie Donrivas, vvallas, akpix oder auch [...]
Was hast Dir denn als Geschenk rausgesucht bzw. was haben sie Dir angeboten?
Ich glaube man muss nicht alles verraten!
Der Verkauf einer Lebensversicherung setzt dort übrigens eine ganz schön hohe Einzahlungssumme voraus. In der Regel ist unter 10.000 EUR Einzahlungssumme kein Verkauf möglich. Dies hängt allerdings auch von der Anzahl der bereits gelaufenen Jahre ab.
Ich könnte mir vorstellen das Lifejack jetzt und mehr noch in Zukunft gute Umsätze generieren könnte. Das derzeitige Wirtschaftsumfeld wird mit Sicherheit den ein oder anderen überlegen lassen seine Versicherung zu kündigen und wo der Preis fällt gibts bestimmt auch Käufer. Die Idee des Portals ist in meinen Augen gut und an der Grafik kann ich auch nicht bemängeln.Hoch interessant auf jeden Fall.